Geschichte


Bei dem heute als Restaurant Schifferhaus bekannten Gebäude handelt es sich um einen bürgerlichen Landsitz, der um 1760 errichtet wurde. Nach 1860 wurde das barocke Herrschaftshaus zu einer grossbürgerlichen Villa erweitert. Es ist der letzte erhaltene Landsitz Kleinhüningens aus dem 18. Jahrhundert. Der seit der Mitte des 18. Jahrhunderts belegten Besitzergeschichte zufolge diente das Anwesen als Landsitz begüterter Basler Bürgerfamilien (1759 Gemuseus, 1797 Bischoff, 1822 Burckhardt). Es gelangte um 1860 in die Hand der Fabrikantenfamilie Clavel (Seidenfärberei, Anilinfarbenherstellung), welche den barocken Kernbau erweitern und weitgehend neu ausstatten liess. Es ist nicht geklärt, ob das heute erhaltene Gebäude durch Umbau eines Vorgängerbaus entstanden ist. Die Familie Gemuseus liess ein schlichtes zweigeschossiges Landhaus mit Mansardwalmdach errichten, das durch segmentbogige Öffnungen mit Keilsteinen, einer elegant gerahmten Haustür mit Rokokogitter im Oberlicht und schöner Rocaillen-Muschel-Kartusche, mit Ecklisenen und gut proportionierten segrnentbogigen Gauben im Dach ausgezeichnet ist. Die Erweiterung nach Norden, die eine neue Gartenfassade und einen prägnanten Turm brachte, machte 1896 den barocken Bau zu einer zeitgemässen Villa. Zum barocken Landgut gehörte von Anfang an auch eine ausgedehnte Gartenanlage, die Ende des 18. Jahrhunderts als Barockgarten gestaltet war. Wohl in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Umgestaltung in eine englische Anlage mit geschwungenen Wegen, Rasenflächen, Rabatten, Baumgruppen, Teichen, Brücken, Pavillons und einem Wildgehege. Diese Garten¬anlage war die bedeutendste in Kleinhüningen. Villa und Park lassen auch heute noch den Charakter eines Landguts erkennen. Insbesondere in seiner äusseren Erscheinung mit der wohlgestalteten Fassade des 18. Jahrhunderts, die sich auf den repräsentativen, baumbestandenen Vorplatz ausrichtet, überliefert die Anlage den einstigen, an den Dorfrand ge¬setzten Landsitz sehr anschaulich. Die relativ diskreten Zutaten des 19. Jahrhunderts sind ihrerseits ein historisches Zeugnis der bedeutenden Industriellenfamilie Clavel. Die Gestaltung und Gliederung des Inneren korrespondiert mit der Architektur des Aussenbaues. Ungeachtet einiger Eingriffe und Hinzufügungen handelt es sich insgesamt um ein bedeutendes schutzwürdiges Baudenkmal.

Baugeschichte / Erhaltungszustand
1759 kam das Landgut in den Besitz von Peter Gemuseus (1710-1763), Kaufmann und Ratsherr. Er war verheiratet mit Jacobea Stern (1717-1811) und Iiess das Herrschaftshaus in der Zeit um 1760 erbauen. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen zwei früh starben. Nach seinem Tod 1763 blieb das Landgut in Kleinhüningen bis 1794 im Besitz der Witwe Gemuseus-Stern, die es an die Witwe Reber- Thommen verkaufte. Von ihr erwarb es 1797 der Handelsmann Hieronimus Bischoff. Im Brandlagerbuch von 1807 wird folgende Schatzung genannt: "Wohnhaus in Mauern, Lehenhaus nebst Doppelscheuer und Stallung." Das Anwesen wird als "Hof' bezeichnet. 1822 ging dieser Hof an Susanne Burckhardt-Sarasin, auf die 1833 ihr Sohn Elias Burckhardt-Ryhiner und danach ihr Enkel Elias Burckhardt-Brek (Stadtrat, gestorben 1857) folgten. Laut Brandlagerbuch von 1859 war das Anwesen nun im Besitz von Alexander Clavel-Linder, Seidenfärber (1805-1873). Bevor Clavel das Gut ausbauen liess, wurde folgende Schatzung vorgenommen: "Behausung mit Keller in Mauer. a) Lehenhaus mit Keller nebst Scheune, doppelter Stallung und Remise. b) freistehende Remise." Diese Schatzung wurde erstmals 1830 vorgenommen und 1861 unverändert abgeschrieben. Wie aus einer Schatzung von 1872 hervorgeht, Iiess Clavel an das Herrschaftshaus eine sogenannte Altane anbauen. Es handelt sich um den heute noch erkennbaren Anbau an der Ostfassade, ursprünglich eine zweigeschossige An¬lage in Holz, im Erdgeschoss offen, im Obergeschoss mit hölzerner Verkleidung im "Laubsäge-Stil". Den Ab¬schluss bildete eine Dachterrasse mit eisernem Geländer. Gleichzeitig wurden weitere Nebengebäude errichtet, nämlich eine Kegelbahn, ein Hühnerhaus und ein Treibhaus. Nach dem Tod von Alexander Clavel-Linder 1873 übernahm sein Sohn Alexander Clavel-Merian das Gut. 1896 erfolgte der prägende Umbau und die Erweiterung des Herr¬schaftshauses in die heute existierende Form. Charakteristisch an diesem Ausbau ist, dass der barocke Bau mit der Schauseite zur Strasse beibehalten wurde und die Erweiterung zum Park hin erfolgte, wo vor allem die Turmachse auffällt. Neu sind eine Fensterachse an der Westfassade, die gesamte Rückfassade, die Turmachse im Südosten, das Dach über der Rückfassade sowie die Backsteinausfachung der einst hölzernen Veranda. Der barocke Stil des ursprünglichen Kernbaus wurde für die neuen Teile übernommen. 1927 verkaufte die Witwe Emilie Clavel-Merian das Gut an die Einwohnergemeinde der Stadt Basel, behielt jedoch bis zu ihrem Tod 1943 das Wohn- und Nutzungsrecht. 1943 gab der Kanton das Grundstück im Baurecht an die Schweizerische Reederei AG ab. Das Herrschaftshaus wurde als Wohnheim und Restaurant für Schifferjungen in Ausbildung und sonstiges Schiffspersonal genutzt. 1957/58 kam anstelle der im Osten gelegenen Remise ein Eweiterungsbau dazu, der als Schifferkinderheim diente. Ab 1989 wurde das Landhaus als Restaurant genutzt. (Quelle "Inventar Bonergasse 75 der Basler Denkmalpflege / 2010)